Selbstempathie – der Schlüssel für echte Kommunikation
- Andrea Warren

- 8. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Das Thema Selbstempathie liegt mir grad sehr am Herzen, weil ich vor kurzem zwei persönliche Erfahrung erlebt habe, die ich nun gerne mit dir teilen möchte.
Vor ein paar Wochen hätte ich zu einem Seminar reisen sollen. Schon Tage vorher tauchte immer wieder ein ungutes Gefühl auf, wenn ich an das bevorstehende Wochenende dachte. Es lag weder am Thema noch an den Menschen. Trotzdem war da etwas.
Ich habe dieses Gefühl zunächst immer wieder zur Seite geschoben – doch es wurde stärker. Bis zu dem Punkt, an dem es sich nicht mehr ignorieren liess.
Ich sprach mit verschiedenen Freunden darüber. Bis einer von ihnen ruhig sagte: „Du musst ja nicht gehen. Du kannst auch absagen.“
Dieser Satz hat mich überrascht. Er hat mir eine Tür geöffnet, die ich vorher gar nicht gesehen hatte. Nämlich ehrlich hinzuschauen, was ich denn jetzt wirklich brauche. Dabei ging es mir in erster Linie gar nicht darum abzusagen.
Am selben Abend habe ich mir dann bewusst Zeit genommen für dieses „Störgefühl“, das mich seit Tagen begleitet hatte.
Ich habe angefangen, meine Gefühle da sein zu lassen – ohne sie wegzudrücken.
Ich habe erkannt, dass in mir eine Sorge war: Dass mich dieses Wochenende auf verschiedenen Ebenen überfordern könnte.
Mit dieser Erkenntnis löste sich die Anspannung. Es war, als würde ein Stein von meinem Herzen fallen. Ich war nicht einfach „zimperlich“ oder „überempfindlich“. Sondern es beschäftigte mich eine ehrliche Sorge, ob ich das bevorstehende Wochenende energetisch gut halten könnte.
Wirklich hinschauen was gerade da ist, sich selbst zuhören und ernst nehmen. Genau das ist Selbstempathie.
Zugegeben: Dieser Schritt war für mich nicht selbstverständlich. Meine alten Muster sind teilweise noch immer aktiv – geprägt von Selbstkritik und dem Impuls, Dinge zu bagatellisieren.
Umso wichtiger ist es mir, mit diesem Blog den Fokus auf Selbstempathie zu legen –und dich dazu zu ermutigen, dein eigenes Bewusstsein dafür zu schärfen.
Wie kann ich Selbstempathie praktizieren?
Auch hier möchte ich nochmals ein Beispiel aus eigener Erfahrung teilen, weil es für mich gut beschreibt, wie der Weg in die Selbstempathie aussehen kann.
Vor ein paar Tagen war ich innerlich sehr unruhig. Aus verschiedenen Gründen kreisten meine Gedanken immer wieder um eine bestimmte Sorge und Unsicherheit. Ich wünschte mir so sehr, mit jemandem darüber sprechen zu können.
Das Gespräch, das ich schliesslich führte, brachte jedoch nicht die erhoffte Erleichterung. Die Unruhe blieb.
Während ich meinen alltäglichen Aufgaben nachging, stellte ich mir immer wieder dieselbe Frage: Was ist eigentlich los mit mir? Diesmal habe ich die Gedanken nicht weggedrückt, sondern habe die Frage zugelassen. Zugegeben, diesen Raum des Unwissens zu halten ist nicht angenehm. Aber ein wichtiger Schlüsselmoment.
Denn dadurch wurde plötzlich etwas in mir ganz klar. Da war ein starkes Bedürfnis nach Empathie.
Nicht nach Lösungen. Nicht nach Beschwichtigung. Nicht danach, dass man meine Gefühle sofort „wegmachen“ sollte.
Ich wollte einfach, dass jemand da ist. Dass mir zugehört wird.
Ob das Gefühl von Sorge und Unsicherheit objektiv „berechtigt“ war oder nicht, spielte in diesem Moment keine Rolle. Sie waren da. Und ich wünschte mir, damit gesehen und angenommen zu werden.
In dem Moment, in dem mir bewusst wurde, was ich eigentlich brauchte, war ich erleichtert – obwohl mein Bedürfnis unerfüllt blieb. Dadurch, dass ich für mich Klarheit hatte, konnte ich es zu einem anderen Zeitpunkt und bei einem anderen Menschen kommunizieren und mein Bedürfnis wurde erfüllt!
Bedürfnisse bringen uns in Verbindung – ein Paradox?
- Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns -«Rumi»
Die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen hat nichts mit einem „Ego-Trip“ zu tun. Im Gegenteil: Es kann ein echter Weg sein hin zu einem friedvollen und respektvollen Miteinander.
Wenn wir unsere Gefühle wahrnehmen und ernst nehmen – so wie im vorherigen Beispiel beschrieben – beginnen wir auch ihre Botschaft zu verstehen.
Vielleicht wird plötzlich klar: „Ich wünsche mir gerade Empathie.“
Allein diese Erkenntnis ist bereits der Weg von Selbstempathie in die Selbstverantwortung. Denn, sobald ich erkenne, was in mir vorgeht, kann ich anfangen, gut für mich zu sorgen.
Ich kann benennen, was gerade in mir lebendig ist.
Und genau das verändert auch unsere Kommunikation – zum Beispiel in einer Partnerschaft.
Anstatt Vorwürfe zu machen oder den anderen anzugreifen, kann ich mein Bedürfnis mitteilen: „Ich bin gerade traurig und wünsche mir einfach empathisches Zuhören.“
Und hier entsteht ein entscheidender Wendepunkt: Es geht nicht mehr um richtig oder falsch. Nicht um Schuld. Nicht um Bewertung.
Denn ich spreche nicht über den anderen – ich spreche über mich. Über mein Gefühl, über mein Bedürfnis.
Dadurch entsteht ein Raum, in dem echte Begegnung möglich wird.
Genau das beschreibt auch dieses Zitat von Rumi so treffend:
Jenseits von Vorwürfen, Bewertungen und dem Kampf darum, wer Recht hat, können wir uns wirklich begegnen.
Und aus dieser Haltung heraus entsteht etwas Neues: mehr Verständnis, mehr Respekt und eine tiefere Verbundenheit miteinander.
Selbstempathie – der Schlüssel für echte UND friedliche Kommunikation
Manchmal frage ich mich: Wie würde unsere Welt aussehen, wenn mehr Menschen diese innere Haltung kultivieren würden – konsequent und ehrlich?
Ich glaube, unsere Welt wäre friedlicher.
Denn Selbstempathie verändert nicht nur die Beziehung zu uns selbst, sondern auch die Art, wie wir anderen begegnen.
Vielleicht beginnt Frieden nicht zuerst im Aussen. Vielleicht beginnt er dort, wo wir lernen, uns selbst und einander wirklich zuzuhören.
Quellenverzeichnis:
§ Marshall Rosenberg: «Gewaltfreie Kommunikation»
§ Gerlinde Ruth Fritsch: «Praktische Selbstempathie»


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